Theoretische Grundlagen

 

Die ChallengeX Methode basiert auf drei wesentlichen Konzepten:

 

 

Komplexe adaptive Systeme

 

Organisationen als kommunikative Prozesse

 

Technische vs. adaptive Herausforderungen

 

 

 

KOMPLEXE ADAPTIVE SYSTEME


Der Begriff geht auf die Arbeit von Wissenschaftlern am Santa Fe Institut zurück. Sie verstehen dieses System als eine große Anzahl von Agenten, die sich nach bestimmten Regeln verhalten. Die Komplexitätswissenschaft versucht, die gemeinsamen Kennzeichen der Dynamiken solcher Systeme oder Netzwerke zu verstehen. Die Erwartung wäre einen übergeordneten Plan auf der Ebene des gesamten Systems zu finden, nachdem sich das System verhält. Der Ansatz der Komplexitätswissenschaft ist vollständig anders. Anstatt einen übergeordneten Plan für das ganze System zu suchen, modellieren Komplexitätswissenschaftler die Interaktion einzelner Agenten. Jeder Agent verhält sich entsprechend seiner eigenen Prinzipien, wodurch das Entstehen von Mustern verhindert wird. Dies führt zu grundlegenden strukturellen Innovationen im Gegensatz zu oberflächlichen Veränderungen. Es wird dem System kein externes Design aufgezwungen, sondern es entsteht ein geordnetes Verhalten, manchmal sogar in der Form von Evolution und Innovation, aus einfachen Regeln. Viele Analogien aus dieser Forschung können für die Arbeit in Organisationen verwendet werden. Die Dynamik am Rande des Chaos, d.h. die gleichzeitige Stabilität und Instabilität kann als Vorraussetzung für Innovation genutzt werden. Dieses Zwischenstadium zeigt radikale Unvorhersagbarkeit über bestimmte Zeiträume und resultiert in der Einsicht, dass Unsicherheit in einem sich entwickelnden System unvermeidlich ist. Die Abwesenheit eines umfassenden Plans oder Designs erlaubt das Entstehen von Kreativität und Erneuerung als kollektives Phänomen.


Diese Einsichten haben maßgeblich zum Design von ChallengeX beigetragen. Wir benützen daher sehr einfache Prinzipien, die eine Vielzahl von iterativen und diversen Beziehungs- und Reflektionsflächen ermöglichen. Wir verwenden Elemente, die klar geordnet sind, ebenso Elemente ohne Struktur. Die Fokussierung auf adaptive Herausforderungen führt zu einem Arbeiten am Rande des Chaos. Wir vertrauen auf das Entstehen neuer Ordnungen im Denken und Handeln unserer Teilnehmer, die in ihrer Authentizität und Wirksamkeit prinzipiell unvorhersagbar sind.

 

 

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ORGANISATIONEN ALS KOMMUNIKATIVE PROZESSE


Das Complexity and Management Center der Universität Hertfordshire versteht Organisationen als komplexe Prozesse des In-Beziehung-Seins, als Prozesse des Sich-Beziehen und miteinander Kommunizieren. Dieses Prozessdenken bedeutet auch das Hinter-Sich-Lassen jeglicher Form von Systemdenken, wenn es um menschliche Handlungen geht. Die kommunikative Interaktion der verschiedenen Menschen schafft die Grundlage für das Entstehen von Erfahrung, Identität und Transformation.


Dieses Verständnis von Organisationen als kommunikative Prozesse bildet die Basis für die partizipative Selbstorganisation, in welcher Beziehungen und Interaktionen Möglichkeiten für neue Muster schaffen. Das impliziert, dass Ergebnisse unvorhersehbar sind und dass das Neue nicht aus der Vergangenheit definiert werden kann. Wenn man sich mit Unternehmen befasst, ist dies eine sehr bedeutsame Aussage. Da das Neue unvorhersehbar ist, können Regeln nicht im Voraus festgelegt werden. Dies führt auch zu einer neuen Definition von Führung. Effektive Führungskräfte tendieren dazu, im Laufe ihres Lebens größere Spontaneität zu entwickeln und die Ansichten Anderer annehmen zu können. So gehen sie spontane Risiken ein und stärken die Kommunikation innerhalb und zwischen Gruppen.


Innerhalb von ChallengeX schaffen wir zahlreiche Möglichkeiten für eine qualitative Reflexion in Bezug auf die jeweiligen Herausforderungen. Dies geschieht mit einer größtmöglichen Anzahl von Teilnehmern in strukturierten und unstrukturierten Settings. Die Zusammensetzung der Kleingruppen wird zufällig gemischt. Darüber hinaus ist es äußerst wichtig, dass die Kursleiter die Arbeit an den Herausforderungen inhaltlich nicht bestimmen. Ihre Aufgabe ist es vielmehr, die Teilnehmer darin zu unterstützen, eine Vielzahl von Perspektiven zu erhalten. Die Beurteilung der Handlungsmöglichkeiten und die Entscheidung, wie gehandelt wird, bleiben in der Verantwortung der Teilnehmer.

 

 

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TECHNISCHE VS. ADAPTIVE HERAUSFORDERUNGEN

 

Richard Pascale und seine Kollegen fokussieren ihre Arbeit auf die Übertragung der Forschungsergebnisse der Komplexitätsforschung auf die Arbeit mit Unternehmen. Einer der wichtigsten Aspekte ist die Unterscheidung zwischen technischen und adaptiven Herausforderungen, die erstmals von dem Harvard Dozenten Ron Heifetz

festgestellt wurde.


Technische Herausforderungen sind dadurch charakterisiert, dass die Anwendung bestehender Techniken und Methoden zum Erfolg führt. Es besteht eine hohe Planbarkeit und Vorhersagbarkeit.


Adaptive Herausforderungen haben mit der Bewältigung vieler nichtlinearer Faktoren zu tun. Das bedeutet, dass neue Methoden und Techniken entwickelt und angewandt werden müssen, um zum Erfolg zu kommen. Planbarkeit und Vorhersagbarkeit sind niedrig, Missverständnisse und Konflikte häufig, aber die Möglichkeit zu grundlegender Innovationen ist hoch.

 

Wenn man sich dieser Unterscheidung bewußt wird, dann erkennt man, dass wichtige Grundaussagen der Organisations- und Managementlehre diese Unterschiede weitgehend vernachlässigen und sich auf eine technische Sicht bestehender Herausforderungen beschränken. Aber die meisten Alltagssituationen innerhalb von Unternehmen bestehen aus einer Mischung beider Formen. Das Verständnis dieser Unterscheidung ist eines der elementaren Themen von ChallengeX.

 

 

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