Interview mit Peter Heilmeier, EADS

 

Peter Heilmeier, Dipl. Ing., zur Zeit des Interviews Leiter der Personalentwicklung bei EADS Military Air Systems, war wesentlich an der Einführung eines auf ChallengeX basierendes Führungskräfteentwicklungsprogramms bei der EADS beteiligt. Dieses Programm ist seit 2004 bei der EADS fester Bestandteil der Leadership Education.
2007 gewann eine Change-Seminarreihe, die auf der ChallengeX-Methode basiert, den Global HR-Innovationspreis bei der EADS. Peter Heilmeier ist heute Personalleiter bei MBDA Deutschland.

 

Was unterscheidet ChallengeX von anderen Programmen?

 

Als wir begonnen haben, war das Ende des Zeitalters klassischer Trainings erreicht. Da stand ein kluger Professor vorne und referierte über seine Theorien und Erfahrungen zum Thema Zeitmanagement oder Gesprächsführung. Die Teilnehmer waren zuerst begeistert, aber nach fünf Tagen war die Halbwertzeit des Erlernten wieder auf Null gesunken und die Erfolgsquote im täglichen Leben oder in der Anwendung des Erlernten war sehr gering. Das hat uns dazu bewogen, in eine modularartige Struktur von Seminaren einzusteigen. Also mit mindestens zwei Workshops, so dass man die zwischenzeitlichen Erfahrungen reflektieren kann. Was ChallengeX aber noch mehr unterscheidet, ist dass nicht einmal die Agenda vorher feststand. Die Teilnehmer bringen ihre Agenda selbst mit. Es gibt daher x Agenden pro Teilnehmer, die aber immer an natürlich auftretenden Gemeinsamkeiten gespiegelt werden. Eine extrem flexible Seminargestaltung, wenn mal so will, extrem kundenorientiert.

 

Was waren die langfristigen Ergebnisse von ChallengeX?

 

Es gab eine Reihe von Veränderungen, die ich bei meinem Besuch im Review Modul, das den drei ersten Modulen folgte, feststellen konnte. Ich konnte an einigen Mitarbeitern eine wesentlich höhere Aktivität erkennen, besonders bei Themen, die früher auf andere geschoben wurden. Die Teilnehmer haben begonnen, viel unternehmerischer zu denken und zu handeln. Sie zeigen viel mehr Eigenverantwortung. Ihre Haltung, „das muss von oben kommen" wurde viel mehr zu einer Haltung „wie kann ich mit meinem Verhalten, mit meinem Input auch dazu beitragen, dass sich etwas ändert".

Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel geben: Speziell mit einer Mitarbeiterin, die den Kurs betreut hat und teilweise mitgemacht hat, führte ich letzte Woche ein Interview in einer dramatisch anderen Qualität als im letzten Jahr. Und auch sie hat das bestätigt. Sie hat sich also wirklich verändert, ist wesentlich flexibler auf Störfeuer geworden. Früher hat sie sich sofort hinter irgendetwas zurückgezogen. Heute geht sie offensiv auf Probleme zu und sucht nach neuen Wegen, wie es weitergehen kann. Hochinteressant! Die Mission unseres neuen CEO ist ja weg vom großen Supertanker hin zu einer Organisation, die schneller, flexibler auch mit kleineren Themen umgeht und ich stelle eine wesentlich höhere Beteiligung bei Challenge X-Teilnehmern fest, die aktiv genau das machen wollen.

 

Was unterscheidet die ChallengeX Methode?

 

Der Verlauf des Seminars wird von den individuellen Herausforderungen bestimmt. Es gibt eine klare Struktur bezüglich der Prozesse aber nicht der Inhalte. Also, ich denke das ist am Anfang - ich habe ja selbst mitgemacht - schon eine harte Lernkurve. Man wird sehr an Zeitgrenzen getaktet, was besonders hart ist, wenn man denkt, dass man eigentlich nichts mehr zu sagen hat. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass genau da eigentlich das Wichtigste zum Vorschein oder zum Ausdruck kommt. Ich denke, wenn man an eigenen Themen arbeitet, ist man auch einfach höher motiviert in das Seminar zu gehen. Wir sehen ja Training als Investment und nicht als Incentive und für die Personalentwicklung ist besonders die Übertragungsquote ins tägliche Leben wichtig. Bei ChallengeX ist diese Übertragungsquote deutlich höher als bei ganz klassischen, aber auch noch wesentlich höher als bei unseren bisher modular gestalteten Seminaren.

 

Was war Ihre eigene Erfahrung?

 

Ich habe an einem Offenen Kurs teilgenommen, um die Struktur und die Methode kennen zu lernen. Das Beeindruckendste an dem Wochenend-Seminar war das Spiegeln der eigenen Probleme an den Perspektiven anderer. Das setzt die eigenen Probleme in eine Relation, die man vorher nicht hatte. Eine Situation bzw. ein Herausforderung, die ich mit reingebracht hatte, erschien mir als sehr wichtig. Und wenn dann jemand, der als Kinderschwester in einem Krankenhaus arbeitet, fragt, warum ich mir überhaupt Sorgen mache über so ein Thema, dann erweitert das die Perspektiven schon sehr und relativiert auch die Intensität von Herausforderungen und schafft dadurch plötzlich eine andere Sicht, andere  Auswege und neue Ansätze, mit dem Thema umzugehen. Diese Diskussionen waren extrem interessant.

Der Farbstift war sehr ungewohnt in der Hand und als Ingenieur wollte ich eigentlich als erstes irgendetwas Technisches aufs Blatt schreiben, also im Prinzip hätte ich am liebsten Zahlen gemacht. Aber irgendwie ist dann doch etwas entstanden, was ein anderer verstanden hat oder deutet konnte.  Da war der - wie hat er noch geheißen - der „Rastaman". Mit so einer ganz lockeren Lebensart, der mit mir überhaupt nie etwas zu tun hatte und genau der äußerte Sachen, die mir dann erst bewusst wurden, als er sie mir gesagt hat, obwohl ich sie gar nicht reinmalen wollte. Das war auch noch eine tolle Erfahrung.

Was mich auch überrascht hat war, dass man so kurzfristig so ein Vertrautheitsgefühl herstellen kann.